Was ist das wichtigste im Leben?

News - News rund um Juan Pablo Montoya

Ein Artikel von Cassio Cortes, RACER Magazin

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Ist es Geld verdienen, so schnell man es sich nur vorstellen kann? Oder sicherstellen, dass dein Name in die Geschichtsbücher eingehen wird und im Gedächtnis zukünftiger Generationen bleibt? Aber vielleicht ist es auch einfach nur glücklich zu sein?

Jeder musste sich schon einmal mit diesen Fragen auseinandersetzen.
Juan Pablo Montoya, ein 31 jähriger Kolumbianer, tat dies auch, vor etwa fünf Monaten.

Damals, als JPM seinen verblüffenden Wechsel in die NASCAR bekannt gab, dachte ich er verlässt die „wahre“ Königsklasse um seinen Geldbeutel mit dem Tourenwagen-Sport zu füllen. Aber es kam anders. Jetzt, 12 Tage nach seinem Debüt in der Königsklasse der NASCAR interviewe ich Juan Pablo Montoya, der den Anschein der Ruhe in Person macht.

Wir wollten eigentlich über ein anderes Thema reden, aber der Vergleich zwischen der F1 und der NASCAR kommt immer und immer wieder hoch.

“Ich bedauere meine Entscheidung keines Wegs, nicht für eine einzige Sekunde. Das Problem der F1 ist, dass dort der Wagen alles ist. Nehme dir doch mal Felipe Massa als Beispiel, bis er dieses Jahr zu Ferrari kam, konnte er nie jemandem zeigen zu was er fähig ist.“

„Also musst du dir die Frage stellen: Will ich unbedingt in der F1 bleiben oder will ich Rennen gewinnen? Bis auf die Meisterschaft denke ich, dass ich alles in der F1 erreicht habe, was mir zu schaffen möglich war. Und um ehrlich zu sein, wenn du nächstes Jahr keinen Ferrari fährst, wirst du wohl keine Chance auf den Titel haben.“

 

Je weiter Montoya fortfährt, desto mehr verstehe ich seine Grundeinstellung bzw. seine Gründe – und wird Stück für Stück zu einem Genie.

NASCAR ist völlig anders als alle andere Formel-Klassen. Ein Fahrer eines Top-Teams in der F1 hat die moralische Pflicht in jeden Rennen in die Punkte zu fahren. Wenn das Team dann noch McLaren-Mercedes mit einem jährlichen Budget von etwa 290 Millionen Euro ist, ist jedes Ergebnis unterhalb des Podiums eine regelrechte Enttäuschung.
Also, wir haben 22 Wagen die jeden Grand Prix am Start sind, doch er muss in den obersten 13,6 % des Feldes das Rennen beenden, damit ihn die Leute glücklich seinen Gehaltscheck ausfüllen.

Im Nextel-Cup sieht das anders aus. Dort haben wir 43 Starter die nicht zwingend um den Sieg kämpfen, sondern viel mehr um konstante Zieleinkünfte. Stelle bloß sicher, dass du jede Woche unter die ersten 35-45 % des Feldes kommst und du wirst verehrt. Und Juan Pablo Montoya, jemand der das Indianapolis 500 und den Monaco Grand Prix gewann, wie auch viele weitere Erfolge (wie den CART- und auch einen F3000-Titel), weiss, dass er gut genug ist (und auch sein Team) um zu garantieren, dass dies auch geschehen wird.

Also warum dann nicht zurück in die Staaten und ein Leben mit viel weniger Druck genießen? Und ein achtstelliges Einkommen macht die ganze Sache umso süßer.

JPM weiß natürlich auch, dass der NASCAR Nextel Cup kein Valhalla des Motorsports ist - er kennt auch alle Vorurteile gegenüber Formel-Fahrern, die angeblich von der ausländerfeindlichen Tourenwagen-Gemeinschaft ausgeht. Aber jemand der sechs Jahre lang die halsabschneiderische Art eines F1 Paddocks miterlebt hat, kann abends auch gemütlich abschalten, auch wenn er sich die unmöglichsten Sachen an den Kopf geworfen bekommt.

„Ich denke mein Charakter ist sehr gut für die NASCAR Rennen. So wie die Dinge hier stehen fährst du so oft gegen die selben Leute, so dass sich alles nur um Respekt dreht.

Man muss das Vertrauen von jemandem gewinnen und umgekehrt, sonst würdest du dir nur selbst schaden.“

„Natürlich kann man sich es in der F1 auch verscherzen, aber wenn man einen speziellen Fahrer rauspickt, dann überholt man den vielleicht ein- zweimal pro Jahr. Wenn du sagen kannst, dass du drei Wagen in einer Saison überholt hast, dann warst du sensationell gut.“

„Hier habe ich 17 Wagen in der ersten Runde meines ersten Busch-Rennens überholt und somit wahrscheinlich mehr Wagen als in meiner ganzen F1-Karriere. Also kann man irgendwie sagen, dass man ständig mit den anderen Fahrern in der NASCAR „zusammenarbeitet“.

Wenn Montoya’s Zuversicht schrammen nahm, dann nur durch ein Schlagen hier und dort von Kimi Räikkönen, er zeigt das natürlich nicht. Sein erstes Daytona 500 hat natürlich eine hohe Priorität, vor allem für die Renngeschichte für jemanden der schon Indy und Monaco gewann. Er sagt das natürlich so nicht in der Öffentlichkeit, aber das bestreben den Cup-Titel früher oder später zu holen ist da.

„Erst einmal den Wagen nach Hause zu fahren ist für mich das wichtigste in Daytona. Will ich versuchen das Rennen zu gewinnen? Natürlich. Aber zu Beginn einer Meisterschaft muss du erstmal einen kühlen Kopf bewahren, da die Rennen sehr lang sind und du sichergehen musst, dass du Punkte sammelst. Sonst wirst du es nicht in den Chase (Chase for the Nextel Cup) schaffen.“

Aber auch wenn Montoya über Daytona und dem Chase spricht, so sind seine europäisch/amerikanischen Rennwurzeln nicht weit weg.

“Es ist schon lustig, dass man sich in der NASCAR ständig um seine Sponsoren kümmern muss, in der F1 muss man das ja nicht. Ich hatte nie „BMW Williams“ oder „West McLaren Mercedes“ in einem Interview gesagt, immer nur „Williams“ oder „McLaren“. Aber hier erwarten die Sponsoren nun mal sowas.“

Aber mal abgesehen von den an Gehirnwäsche ähnelnden Interview, betont JPM, dass er nun viel entspannter und ungezwungener auf dieser Seite des Teichs ist – glücklicher, um es kurz zu sagen. In einer kleinen Anwendung der Redekunst macht Montoya seinen Punkt deutlich.

„Ist die F1 weiter entwickelt als die NASCAR? Ja. Ist sie schneller? Ja, klar. Aber ist das Renennfahren dort besser? Nein. Genieße ich es mehr hier zu sein? Ja.“

„Ich denke, dass die NASCAR heutzutage genauso professionell wie die F1 ist. Aber in der NASCAR hat man eine ganz andere Einstellung: ‚Wir sind jedes Jahr so lange hiermit beschäftigt, also wollen wir es auch genießen.“

Sein Gehaltscheck von Chip Ganassi wird noch größer ausfallen, wie der von Ron Dennis, aber darum geht es ja nicht. Wie auch schon Johnny Cash vor ihm, ist Juan Pablo Montoya mit einem befriedigten Gemüt viel reicher.

 

Originalartikel (englisch): CORTES: Juan Montoya's Satisfied Mind
Übersetzung: Sn00se

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Kommentare (1)Add Comment
0
Jasmin
23.02.2010
77.6.241.108
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Die Frage kann man wohl nicht einfach beantworten...Geld kann das Glück manchmal erleichtern, manchmal aber auch zerstören. Da muss schon jeder selber seinen Weg finden

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